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KranNorm

Wissen

EN 15011: Brücken- und Portalkrane im Normengefüge

EN 15011 ist die Produktnorm für Brücken- und Portalkrane. Diese Seite ordnet ein, wo sie zwischen den Kran-Normen steht, was aus der Bemessung in die Werkstatt wandert und welche Nachweise die Schweißfertigung eines solchen Krans zusammenträgt.

KranNorm läuft auf StahlNorm.

Produktnorm vor Grundnorm

Für Krane gibt es zwei Ebenen von Normen: allgemeine Normen, die für alle Krane gelten, und Produktnormen für bestimmte Krantypen. Wie beide zusammenspielen, beschreibt der informative Anhang I der EN 13001-3-1:2012+A2:2018 („Auswahl eines geeigneten Satzes von Kran-Normen“). Die Regel ist einfach: Gibt es für die Anwendung eine passende Produktnorm, wird sie direkt angewandt — zusammen mit den Normen, auf die sie verweist. Nur wenn es keine gibt, greift man auf die allgemeinen Normen zurück, darunter EN 13001-1, EN 13001-2 und EN 13001-3-1.

In der Liste der Produktnormen steht EN 15011 „Krane — Brücken- und Portalkrane“. Daneben nennt der Anhang unter anderem:

  • EN 13000 für Mobilkrane
  • EN 14439 für Turmdrehkrane
  • EN 14985 für Drehkrane mit Ausleger (Slewing jib cranes)
  • EN 14492-2 für kraftgetriebene Hubwerke
  • EN 13155 für lose Lastaufnahmemittel — dazu der Artikel Lastaufnahmemittel herstellen

Für einen Brückenkran oder einen Portalkran ist EN 15011 damit der Einstieg. Den Inhalt der Norm gibt diese Seite nicht wieder; maßgeblich ist der Normtext selbst, auch für die Frage, auf welche weiteren Normen EN 15011 verweist.

Die Rolle der Reihe EN 13001

EN 13001-3-1 behandelt Grenzzustände und den Sicherheitsnachweis von Stahltragwerken: Mechanischen Gefährdungen von Kranen soll durch Konstruktion und rechnerischen Nachweis vorgebeugt werden. Sie ist zusammen mit EN 13001-1 und EN 13001-2 anzuwenden und versteht sich nach ihrem Abschnitt 1 als Referenzbasis für die Europäischen Normen für bestimmte Krantypen.

Das ist Bemessung, keine Fertigung. Wie ein Schweißnahtnachweis nach EN 13001 aufgebaut ist, erklärt der Beitrag Schweißnaht nach EN 13001 auf schweissnaht-nachweis.de. Für die Werkstatt ist etwas anderes wichtig: was die Bemessung an die Fertigung weitergibt.

Was aus der Bemessung in die Werkstatt wandert

Nach EN 13001-3-1 Abschnitt 4.1 enthält die Dokumentation des Sicherheitsnachweises unter anderem die Werkstoffgüten und die Nahtqualitäten, ausgedrückt als Bewertungsgruppen nach EN ISO 5817. Abschnitt 4.5 verlangt, dass diese Bewertungsgruppen angewandt und mit geeigneten Verfahren der zerstörungsfreien Prüfung nachgewiesen werden. Tragende Nähte sind danach in der Regel mindestens in Bewertungsgruppe C auszuführen; Bewertungsgruppe D darf nur dort angewandt werden, wo ein örtliches Versagen der Naht nicht zum Versagen der Struktur oder zum Absturz von Lasten führt. Zusätzlich kann nach Abschnitt 6.2.2 eine Bewertungsgruppe B* verwendet werden, deren Anforderungen über B hinausgehen.

Was die Bewertungsgruppen im Einzelnen bedeuten, steht im Beitrag zu ISO 5817 auf stahlnorm.de. Für die Fertigung zählt die Konsequenz: Werkstoff und Bewertungsgruppe sind Vorgaben aus der Konstruktion. Die Werkstatt muss sie kennen, einhalten und belegen — mit Werkstoffnachweisen, mit geprüften Nähten und mit den Berichten dieser Prüfungen.

Die Nachweiskette der Schweißfertigung

Hinter einer geprüften Naht steht mehr als ein Prüfbericht. Wer für eine tragende Schweißverbindung belegen will, nach welcher Vorgabe, von wem, unter welcher Aufsicht und aus welchem Werkstoff sie entstanden ist, braucht mehrere Nachweise, die aufeinander verweisen:

  • Schweißanweisung (WPS) nach ISO 15609-1: Verfahren, Grundwerkstoff mit Werkstoffgruppe, Zusatzwerkstoff, Nahtform, Lagenaufbau, Vorwärm- und Zwischenlagentemperatur.
  • Verfahrensprüfung (WPQR) nach ISO 15614-1: Sie qualifiziert die Anweisung, und zwar nur innerhalb ihres Geltungsbereichs — Verfahren, Werkstoffgruppe, Dickenbereich, Position.
  • Schweißerprüfung nach ISO 9606-1: Sie hat einen eigenen Geltungsbereich und eigene Fristen.
  • Schweißaufsicht nach ISO 14731: benannte Personen mit festgelegten Aufgaben und Verantwortlichkeiten.
  • Werkstoffzeugnisse nach EN 10204: Prüfbescheinigungen, die über Bestellung und Charge dem Bauteil zugeordnet sind.
  • Qualitätsanforderungen an das Schmelzschweißen nach ISO 3834: der organisatorische Rahmen, in dem diese Nachweise entstehen.

Wie EN 1090-2 und ISO 3834 dabei zusammenwirken, beschreiben die Artikel EN 1090-2 im Kranbau und ISO 3834 im Kranbau. Die Kranbahn, auf der ein Brückenkran fährt, ist ein eigenes Stahlbauteil mit eigenen Toleranzen und Prüfumfängen; dazu der Artikel Kranbahnträger.

Der Bezug zur Maschinenverordnung

Wird ein Brücken- oder Portalkran als Maschine in Verkehr gebracht, gilt dafür ab dem 20. Januar 2027 die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230, die die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ablöst. Nach Artikel 10 erstellt der Hersteller vor dem Inverkehrbringen die technischen Unterlagen nach Anhang IV Teil A und bewahrt sie mindestens zehn Jahre auf.

Zu diesen Unterlagen gehören nach Anhang IV Teil A Buchstabe h eine Beschreibung der Mittel, mit denen der Hersteller während der Fertigung die Übereinstimmung mit den Entwurfsspezifikationen sicherstellt, und nach Buchstabe g die Berichte über Prüfungen und Inspektionen. Die Nachweiskette der Schweißfertigung ist damit kein Selbstzweck der Werkstatt, sondern Teil dessen, was der Hersteller über Jahre vorlegen können muss. Mehr dazu im Artikel Maschinenverordnung für Kranhersteller.

Wo die Software ansetzt

KranNorm ist für Betriebe gedacht, die Brücken- und Portalkrane oder Teile davon schweißen. Die Software erzeugt und führt Schweißanweisungen nach ISO 15609-1, verwaltet Verfahrensprüfungen nach ISO 15614-1 und prüft die Deckung zwischen Schweißanweisung, Verfahrensprüfung und Schweißer. Schweißerprüfungen nach ISO 9606-1 laufen mit ihren Fristen, die Schweißaufsicht nach ISO 14731 ist als Register geführt, Werkstoffzeugnisse nach EN 10204 hängen an Charge und Bauteil. Die Nachweise eines Auftrags lassen sich als PDF oder ZIP ausgeben.

Die Bemessung nach EN 13001 und die Anforderungen der EN 15011 selbst sind nicht Gegenstand der Software. Mehr auf der Seite Kranbau Doku Software.

Hinweis zur Verbindlichkeit

Diese Seite gibt den Regelungsgehalt sinngemäß wieder und ersetzt weder den Norm- oder Gesetzestext noch eine fachliche Beurteilung durch die Schweißaufsicht. Maßgeblich ist die jeweils geltende Fassung. Über die Anerkennung von Nachweisen entscheidet die zuständige Stelle.

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